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1. Entwicklungsbedingungen des Zeitschriftenmarktes

1.3 Vertriebsweisen
(Postvertrieb, Abonnement, Kolportage, Einzel- und Straßenverkauf, Bahnhofshandel, Kioskverkauf)

Postvertrieb

Mit dem Postgesetz des Norddeutschen Bundes vom 1. Januar 1868 wurde der Post eine Beförderungsprovision für Zeitungen von 25% und für Zeitschriften von 12,5% eingeräumt. Der Buchhandel protestierte gegen diese Regelung, mit der bestehende Verhältnisse im Sinne der Post gefestigt wurden. "Wer expedirt die Tausende von Zeitungen und Zeitschriften mit Profit? Unser Concurrent, das Postamt! Wer abonnirt auf Zeitungen? Das ganze, große, gebildete Publicum- ein ungeheures Publicum. Wer steckt den Profit dieses enormen Absatzes ein? Unser Concurrent, das Postamt!"[56] Als Staatsmonopolist verfügte die Post über Vorzüge bei der Zeitungs- und Zeitschriftenauslieferung, mit denen die Sortimenter nicht konkurrieren konnten: Sie konnte die auf Schienen rollenden Postwagen kostenlos benutzen, sie arbeitete im Gegensatz zum Buchhandel auch nachts, und ihr Personal, das dem des Buchhandels zudem zahlenmäßig überlegen war, konnte per Gesetz besser kontrolliert werden als die Buchhändler.[57] Dennoch führte die Post insgesamt nur einen geringen Teil der Zeitschriftenauslieferung durch. Nach Angaben von Franz Lipperheide, dem Verleger der Berliner Modenwelt, wurden 1868 von den 48.000 Exemplaren der Gesamtauflage nur 6000 per Post expediert. "Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß dasselbe Verhältniß ungefähr bei allen Zeitschriften, namentlich den hier vornehmlich ins Gewicht fallenden belletristischen Wochenblättern statthaben wird. Also ein Verhältniß von 1 zu 6-8."[58] Die Post bzw. Postgesetzgebung befaßte sich auch mit den Beilagen: Das Postreglement von 1860 enthielt für Zeitungsbeilagen, die im Verlag der Zeitung oder Zeitschrift gedruckt wurden und für die der Verlag Insertionsgebühren bezog, eine Genehmigungspflicht.[59] Die Beilagen durften nicht stärker als ein bzw. - mit der Postordnung von 1874 - zwei Bogen sein. Erst die Postordnung von 1917 brachte weitere Erleichterungen. Wie weit diese Regelungen im einzelnen für den in der Kaiserzeit massenwirksam werdenden Markt der Zeitungsbeilagen in Form eigenständiger Unterhaltungs-, Frauen-, Jugend-, Kinder-, Rätselzeitschriften usw. wirksam wurden, bleibt zu klären. Zeitungen, Zeitschriften und sogar Kalender waren jedenfalls seit den 1870er Jahren zunehmend auf Inserate angewiesen, um mit niedrigen Verkaufspreisen dem Konkurrenzdruck begegnen zu können. Der Einfluß der Post auf die Struktur des Zeitschriftenmarktes war insgesamt sehr groß, nicht zuletzt durch das ihr gesetzlich zugesprochene Recht zu Aufnahme und Verwaltung der Abonnements.

 

[ 56 ]
Bbl. zit. n. Keiderling, "Zur Post. Zur Fuhre", S. 48

[ 57 ]
Bbl. zit. n. Keiderling, "Zur Post. Zur Fuhre", S.48

[ 58 ]
Bbl. zit. n. Keiderling, "Zur Post. Zur Fuhre", S. 49

[ 59 ]
Staedler, Der deutsche Postzeitungsvertrieb in Recht und Geschichte, S. 144

 
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