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2. Familienzeitschriften

2.1 Typische Formen

"Der Hausfreund"

Das von Hans Wachenhusen 1857 gegründete und bis 1873 redaktionell betreute Familienblatt Der Hausfreund (zunächst: Der Illustrirte Hausfreund, 1.1857-3.1859/60) ist ein typisches direktes Konkurrenzprodukt zur Gartenlaube; es konnte zwar deren Erfolg niemals erreichen, gehörte jedoch mit einer Laufzeit von 44 Jahrgängen zu den langlebigsten Nachahmern des Keil'schen Konzeptes. Das Format entsprach, wie später auch beim Daheim, ab dem vierten Jahrgang (1861) ungefähr dem der Gartenlaube; der Untertitel lautete meist "[Ein] Illustrirtes Familienbuch", ab den 1880er Jahren "Illustrirtes Familien-Journal". Auch die Rubrikeneinteilung spiegelte die der Gartenlaube wider; im Unterschied zu dieser, die erst mit den Erfolgen von E. Marlitt zum Abdruck von Romanen überging, setzte der Journalist und Reporter Wachenhusen, der außerdem ein fruchtbarer Romancier war [139], von Beginn an auf das Leserbindungskonzept der Fortsetzungsromane - die zu dieser Zeit in Deutschland noch keineswegs üblich waren.[140] Der erste Jahrgang enthielt gleich vier Romane (Aug. Blanche: "Der Sohn von Süd und Nord", L. Geyer: "Der Freibeuter", C.Z.: "Nena-Sahib, der Würger von Indien", J.F. Smith: "Ein Familien-Geheimniß"), in den Folgejahren gab es meist zwei; Wachenhusen selbst steuerte zu jedem Jahrgang Feuilletons und kürzere Erzählungen bei, sehr häufig stammte auch einer der Fortsetzungsromane aus seiner Feder (z.B. 2. 1858: "Der Löwe der schwarzen Berge", 4.1861: "Die bleiche Gräfin", 5. 1862: "Eva's Tochter", 6. 1863: "Die Gräfin von der Nadel"). Der belletristische Bereich wurde mit den 1870er Jahren immer weiter ausgebaut, wobei ein Schwergewicht auf Kriminalerzählungen lag: "Criminal-Novelle" lautet eine häufige Gattungsbezeichnung, Ewald August König ist mit einigen Romanen vertreten (z.B. 32.1889: "Die rothe Laterne", 34.1891: "Enterbt"), daneben G. Samarow (36.1893: "Am Abgrund", 43.1899/1900: "Die Goldapotheke"), immer wieder L. Sacher-Masoch und mit kürzeren Texten gelegentlich A. Strindberg, R. Kraft, E. Ebenstein und E. A. Poe. Der Hausfreund erschien anfangs als Monatsblatt, dann jedoch wöchentlich zu 52 Nummern á 2 Bogen ("mit eingedruckten Holzschnitten"), wobei parallel eine 'Monatsausgabe' (später zweiwöchentlich) mit 16 Heften (später 26) jährlich zum Abonnementspreis von 50 Pfg. pro Nummer ausgegeben wurde. 1889 kostete ein Heft der Wochenausgabe 10 Pfg. im Abonnement, die zweiwöchentliche Ausgabe 25 Pfg. pro Heft. Nach H. Wachenhusen redigierten M. Lilie, W. Krüger u. H. Roskoschny (17.1874-20.1877) bzw. letzterer alleine (21.1878-24.1881) das Blatt, danach K. Teschner (25.1881-29.1885) und Oskar Wilda (20.1886-44.1901). Noch häufiger wechselten die Verlage: Der Hausfreund erschien zunächst im Berliner Verlags-Comptoir (A. Dominé) (1857-1864), dann im Verlag der Hausfreund-Expedition, den zunächst O. Janke (1865), dann Lemke u. Co. (1866) und schließlich E. Graetz (1867-1876?), eine Parallelausgabe erschien in Leipzig bei Theile & Greese, dann bei Krüger & Roskoschny; 1878-1901 bot der Verlag Schottländer in Breslau die Zeitschrift an; sie hatte zu dieser Zeit mehrere Titelausgaben in anderen Städten, zudem gab es seit 1900 eine Reihe von Beilagen. Mit dem 45. Jahrgang (1901/1902) wurde der Hausfreund, nunmehr redigiert von Wolfgang Engel, vom Berliner Verlag Vobach & Co. übernommen, in Neue Illustrierte Wochen-Zeitung. Ein Blatt fürs deutsche Haus [141] bzw. Illustrierte Wochen-Zeitung umbenannt und für 15 Pfg. pro Heft verkauft. Damit ist der Hausfreund ein Beispiel für die direkte Umwandlung einer klassischen Familienzeitschrift in ein Hausfrauenblatt neueren Typs, für die der Vobach-Verlag und sein Zeitschriftenprogramm (s.u.) kennzeichnend wurden.

 

[ 139 ]
Vgl. Steinbrink, Abenteuerliteratur, S. 174-177 u. 264/265

[ 140 ]
vgl. Meunier / Jessen, Das deutsche Feuilleton, S. 87-89

[ 141 ]
Die Neue Illustrierte Wochen-Zeitung wurde als Fortsetzung folgender Blätter angeboten: Am deutschen Herd, Illustrirte Blätter, Erholungsstunden, Illustrirte Familienzeitung, Der Hausfreund, Die Heimat und Breslauer Sonntagsblatt (GValt).

 
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