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2. Familienzeitschriften

2.1 Typische Formen

"Ueber Land und Meer" / "Das Buch für Alle"

Einem gänzlich anderen Zeitschriftentyp gehörten Ueber Land und Meer und Das Buch für Alle an. Das 1857 von Hallberger in Stuttgart gegründete Ueber Land und Meer (1.1858/59-65.1922/23) war der erfolgreiche Versuch, "die unterschiedlichen publizistischen Konzeptionen der Illustrirten Zeitung und der Gartenlaube miteinander zu verbinden."[142] Die sonntäglich erscheinende Wochenausgabe der Zeitschrift erschien im Zeitungsformat (Folio), brachte mit dem Untertitel "Allgemeine (später: "Deutsche") Illustrirte Zeitung" ein Aktualitätsbemühen zum Ausdruck und kostete im Vierteljahresabonnement 3,50 Mark, was aufs Jahr gesehen dem Doppelten des Gartenlaube-Preises (7 Mark jährlich) entsprach, aber nur die Hälfte des Abonnementspreises der Leipziger Illustrirte Zeitung (28 Mark jährlich) war. Ueber Land und Meer hatte 1886 eine Auflage von 130.000; sie bezeichnete sich 1896, als sie - wie bereits gesehen - in sechs verschiedenen Ausgaben erschien, als die älteste belletristische Zeitschrift "größeren Stils"[143] in Deutschland. Sie warb mit "glänzende[r] äußere[r] Ausstattung" und "hervorragende[n] künstlerische[n] Leistungen", die "dem modernen Geschmack Rechnung tragen[]", so daß sie für ein "kaufkräftiges Publikum"[144] in Frage käme. Das von Hermann Schönlein gegründete Das Buch für Alle (1.1866-67.1935?) entsprach in Gestaltung und Format dem Hallberger'schen Ueber Land und Meer, war aber aufgrund des deutlich niedrigeren Preises auf ein "weniger kaufkräftiges Publikum"[145] zugeschnitten. Am Ende des Jahrhunderts hatte die Zeitschrift eine Auflage von etwa 160.000, wobei die Hefte eins und zwei jeden Jahrgangs (der bereits im August des Vorjahres begann), die den Kolporteuren als Werbematerial für neue Abonnenten mitgegeben wurden, jeweils in einer Auflage von 350.000 bzw. 250.000 gedruckt wurden.[146] Das Buch für Alle erschien anfangs als "Illustrirte Monatsschrift [später: Illustrirte Blätter] zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann", bis 1870 jährlich zwölfmal, dann sechzehnmal;[147] seit 1873 kam sie vierzehntäglich, erst 25mal, dann 28mal im Jahr heraus. Ein Einzelheft kostete von Anfang an (bis 1915) 30 Pfennig, der Quartalspreis betrug demnach 2,10 Mark; seit 1877 nannte sie sich "Illustrirte Familien-Zeitung zur Unterhaltung und Belehrung. Chronik der Gegenwart" und betonte damit ebenfalls noch deutlicher den Aktualitätsaspekt. Der Preis für das Buch für Alle lag nur unwesentlich über dem für das Daheim oder die Gartenlaube, was durch weniger häufiges Erscheinen und geringeren Gesamtumfang ausgeglichen wurde.
      Beide Zeitschriften gingen später in die Stuttgarter Union Deutsche Verlagsanstalt ein und demonstrieren exemplarisch deren Konzept, möglichst unterschiedliche Leserschaften mit verschiedenen Publikationen zu bedienen. Dem Exklusivitätsanspruch von Ueber Land und Meer stand mit dem Buch für Alle, das sich mit Haupt- und Untertiteln ausdrücklich an ein breites Publikum wandte, eine populär gefaßte Familienzeitschrift gegenüber; für beide waren im übrigen die jeweiligen Fortsetzungsromane von wichtiger Bedeutung für die Leserbindung.

 

[ 142 ]
Gebhardt, Illustrierte Zeitschriften, S. B43

[ 143 ]
Mosse, Zeitungskatalog und Insertionskalender 29.1896

[ 144 ]
ebd.

[ 145 ]
Gebhardt, Illustrierte Zeitschriften, S. B.44

[ 146 ]
Mosse, Zeitungskatalog und Insertionskalender 29.1896

[ 147 ]
GValt

 
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