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2. Familienzeitschriften

2.1 Typische Formen

"Westermanns Monatshefte" / "Vom Fels zum Meer"

Für ein - in unterschiedlichen Ausprägungen - eher exklusives Publikum bestimmt waren Westermann's illustrirte deutsche Monatshefte (1.1856/57-50.1906; dann: Westermanns Monatshefte 51.1906/07-128.1987) und Spemanns Vom Fels zum Meer (1.1881/82-24.1904/05). Beide erschienen (zunächst) monatlich, Vom Fels zum Meer dann seit dem 11. Jahrgang (1891/92-13.1893/94) eine zeitlang parallel auch als Halbmonatsschrift (26 Hefte pro Jahr), was mit dem 14. Jahrgang dann die alleinige Erscheinungsweise wurde. Die Fels-Hefte kosteten anfangs 1 Mark, später 50 bzw. 75 Pfennig, was einem Jahresabonnementspreis von 12 bis 13 bzw. 19,50 Mark entsprach; seit 1901 (20. Jg.) erschien unter dem Titel Die weite Welt zusätzlich eine Wochenausgabe zum Heftpreis von 25 Pfg. Die Auflage betrug anfangs 50.000 [148], 1885 42.000 [149]; 1893/94 wurde die Salonausgabe von Schorers Familienblatt mit Vom Fels zum Meer vereinigt, dieses ging 1905 in der Gartenlaube auf, in deren Titel es noch bis 1917 als "Kopfausgabe" geführt wurde. Vom Fels zum Meer war nur in den Anfangsjahren, als J. Kürschner das Blatt redigierte (1.1881/82-8.1888/89), eine erfolgreiche Zeitschrift; G. Freytag hatte dem Redakteur bereits 1885 prophezeit: "Die Herrlichkeit wird nur wenige Jahre dauern"[150] und ihm geraten, das Blatt rechtzeitig zu verlassen. Tatsächlich leitete der Weggang Kürschners, der den Verleger Spemann hart traf, den allmählichen Untergang der Zeitschrift ein; seine Nachfolger, zunächst der Verleger Spemann selbst (1889-1892), dann J. Prölß (1893) und P. Dobert (1894-1901?), verfügten nicht über Kürschners besonderes Talent im Umgang mit (potentiellen) Autoren, der Wandel von einer Monats- in eine Halbmonatsschrift, die wechselnde Preispolitik und die Verlagswechsel zur Stuttgarter Union (1889) und schließlich zu Scherl (1901) sind Ausdruck einer mit den 90er Jahren unklarer werdenden Konzeption: man konnte sich offensichtlich nicht entscheiden, ob man künftig ein exklusives Magazin - etwa im Stil der neuen Velhagen & Klasings Monatshefte - produzieren oder der teils angedeuteten Öffnung hin zu einem populären Familienmassenblatt folgen wollte; diese Unentschiedenheit, d.h. eine unklare Vorstellung des zu avisierenden Publikums, führte letztlich zum Untergang des Blattes. Westermanns Monatshefte dagegen schafften - auf einer anderen Ebene - den Wandel; die Titeländerung im Jahr 1906 signalisiert dies bereits. Westermann hatte zunächst ein deutliches Schwergewicht auf naturwissenschaftliche Berichte gelegt; erst mit den 1860er Jahren begann durch die Gewinnung einer Reihe renommierter Autoren "eine deutliche Wendung zum Literarischen, Schöngeistigen und Unterhaltenden"[151]: W. Raabe (32 Beiträge von 1857 bis 1906), Th. Storm (15 Beiträge: 1865-1888), L. v. Sacher-Masoch (10 Beiträge: 1866-1889), W. Jensen (23 Beiträge:1868-1910), F. Lewald (10 Beiträge: 1869-1897), P. Rosegger (17 Beiträge: 1873-1915), M. v. Ebner-Eschenbach (12 Beiträge 1884-1916), H. Böhlau (5 Beiträge 1884-1917), C. Viebig (5 Beiträge: 1902-1926) u.a. gehörten mit zahlreichen Beiträgen zu den literarischen Stützen des Blattes, das um die Jahrhundertwende zudem deutlich den Illustrationsanteil erhöhte. Die Auflage hat wohl etwa 15.000 nie überschritten; die Zeitschrift wendete sich an jene Teile eines (bildungs-) bürgerlichen Publikum mit literarischen Interessen, das um 1900 die naturalistische und später die expressionistische Richtung der modernen Literatur nicht mittragen wollte.

 

[ 148 ]
1884, Bd. 2

[ 149 ]
Dietzel / Hügel, Bd. 4, S. 1245

[ 150 ]
zit. n. Graf, 'Ich bin dagegen', S. 234

[ 151 ]
Ehekircher, Westermanns illustrierte deutsche Monatshefte, S. 18

 
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