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Susanne Graf:
3. Kinder- und Jugendzeitschriften

Im Vergleich zur Gesamtzahl der auf dem Markt befindlichen Unterhaltungszeitschriften war der Anteil der ausdrücklich an Kinder und Jugendliche adressierten gering (vgl. Tab.1, Sp. 4). Allerdings spielten gerade für die Konzeption der Erwachsenenpresse im Kaiserreich die jungen Leser eine zunehmend wichtige Rolle: besonders die Familienzeitschriften engagierten sich verstärkt für die jüngere Lesergeneration. Speziell für Kinder und/oder Jugendliche konzipierte Seiten und/oder Beilagen ergänzten bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts das ansonsten v. a. an erwachsene Leser adressierte Repertoire zahlreicher Blätter. Parallel dazu expandierten die von einer Stammzeitschrift unabhängigen, eigens für Kinder (ca. 6-10 Jahre), Heranwachsende (8-12 Jahre) oder Jugendliche (12-18 Jahre) konzipierten weltlichen und religiösen Zeitschriften, die in mehr oder weniger starker Ausprägung alle zum Typus der Unterhaltungszeitschrift gehören. Wenngleich insgesamt der Erziehungs- und Bildungsgedanke, besonders zu Beginn des Kaiserreichs, stark ausgeprägt war, verfügten doch viele Kinder- und Jugendzeitschriften - ähnlich wie die Familienblätter - über einen universalen Charakter: eine Kombination von Unterhaltung, Belehrung und Bildung war üblich und wurde von Herausgebern und Verlegern bewußt angestrebt, nicht zuletzt, um das Interesse der jungen Leser über eine geraume Zeit fesseln zu können.[242] Die Struktur der Kinder- und Jugendzeitschriften war insgesamt stark von der Erwachsenenpresse geprägt. Namengebung, Aufmachung und Rubrikeneinteilung orientierten sich häufig an damals renommierten Blättern wie der Gartenlaube, dem Daheim oder dem katholischen Erfolgsblatt Alte und neue Welt. Einen großen Teil der Inhalte machten Prosatexte aus: Erzählungen, Novellen und Biographien waren besonders beliebt, kleinere und größere Sachtexte zu verschiedenen Wissensgebieten ergänzten das Repertoire. Eine Rubrikeneinteilung in "Erzählungen, Abenteuer, Erlebnisse", "Biographien", "Länder- und Völkerkunde", "Naturwissenschaftliches", "Experimente, und Beschäftigungen, Sammlungen, Spiele" und "Allerlei", wie man sie im Guten Kameraden (1.1887- 58.1943/44, 59.1951-75.1968) aus dem Spemann-Verlag findet, war für viele Zeitschriften üblich und erinnert an die Rubrizierung der Gartenlaube ("Gedichte", "Biographien und Charakteristiken", "Erzählungen und Novellen", "Beschreibende und geschichtliche Aufsätze, Zeitgeschichtliches", "Medizin", "Naturwissenschaften", "Vermischtes", "Blätter und Blüthen"). Die meisten Blätter erschienen als Wochen- oder Monatshefte; charakteristisch für die Jugendpresse war das zusätzliche Angebot, einen kompletten Jahrgang - als Jahrbuch gebunden - am Ende eines Jahres als Weihnachtsgeschenk zu erwerben.

 

[ 242 ]
Eine differenzierte Darstellung der von 1850 bis 1900 marktgängigen Zeitschriften für Kinder und Jugendliche bieten meine Ergebnisse aus dem laufenden Forschungsprojekt der Universität zu Köln zum Handbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 5: 1850-1900 (Hg. Otto Brunken, Bettina Hurrelmann, Gisela Wilkending). Voraussichtlicher Erscheinungstermin 2008 (Stuttgart: Metzler).

 
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