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5. Illustrierte Unterhaltungspresse

5.2 Illustrationen [344]
(Techniken, Bilderhandel)

Die illustrierten Zeitschriften hatten eine breite geschmacksprägende Funktion für die Popularisierung von Bildwerken. Brückner hat dies, am Beispiel der Gartenlaube, für einige besonders beliebte Bildmotive - anheimelndes religiöses Familienbild, Mönchsbilder, Schiffe und Schiffbruch - breit nachgewiesen. Beispielsweise kam mit dem Kulturkampf, als auch die ehemals liberale Familienzeitschrift auf eine preußisch-antikatholische Tendenz einschwenkte, die im Bereich der Illustrationen einem "offenen[n] Bilderkampf"[345] glich, der für humoristisch-satirische Mönchsbilder bekannte Genremaler Eduard Grützner zu besonderen Ehren. Die illustrierten Zeitschriften fungierten einerseits "als geschmacksbildende Vermittlungsinstanz des gängigen Bilderangebots der öffentlich anerkannten Kunstproduktion", andererseits "popularisierten [sie] zugleich den herrschenden Kanon der historisch gewordenen Malerei, wie er von den großen Galerien dokumentiert wurde."[346] Darum beobachteten ihre Redaktionen aufmerksam alle Weiterentwicklungen auf dem Gebiete der Reproduktionstechnik. Viele ganzseitige Beilagen und Prämien - als Lithographie, Steindruck, Holzschnitt, Autotypie, Öldruck o.ä.[347] - hatten darüber hinaus von vornherein eine weitere Zweckbestimmung, die über die Illustrierte selbst, die in diesem Sinne nur als Vermittlungsinstanz diente, hinausging: sie wurden aus dem Kontext der Zeitschrift herausgelöst und dienten als Wand- und Zimmerschmuck.[348] Wenig beachtete Vorreiter dieser Entwicklung waren allerdings an die Taschenbuchtradition des 18. Jahrhunderts anknüpfende Kalender, die - im Kleinoktavformat und meist unter dem Signum "Volkskalender" (in Wirklichkeit für ein bürgerliches Publikum bestimmt) - im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts zu Hauptlieferanten der populären Bildkunst wurden. Nicht zufällig war der bedeutendste deutsche Kalenderverlag des 19. Jahrhunderts, Trowitzsch & Sohn in Frankfurt/Oder und Berlin, zugleich eine der größten "Kunstanstalten" zur Produktion populären Wandschmucks.[349]

 

[ 344 ]
als Überblick vgl. das Kapitel "Periodika" bei Ries, Illustration und Illustratoren, S. 29-39

[ 345 ]
Brückner, Trivialisierungsprozesse in der bildenden Kunst, S. 242

[ 346 ]
Brückner, Trivialisierungsprozesse in der bildenden Kunst, S. 230

[ 347 ]
zu den Reproduktionstechniken vgl. die erschöpfende Darstellung bei Ries, Illustration und Illustratoren des Kinder- und Jugendbuchs, S. 181-378

[ 348 ]
vgl. v.a. Pieske, Bilder für Jedermann.

[ 349 ]
Zu Trowitzsch vgl. Brückner, Trivialisierungsprozesse in der bildenden Kunst, S. 231; Brückner, Populäre Druckgraphik, S. 218a; Jäger, Der Regional- und Lokalverlag, in: Band 1, S. 333/334.- Ein Monographie zum Kalenderwesen im 19. Jahrhundert ist in Vorbereitung.
Siehe auch: Graf, Kalender und so weiter - Populäre Medien aus den Verlagen Trowitzsch & Sohn in Frankfurt/Oder und Berlin (1711-1952)

 
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