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6. Witzblätter

"Meggendorfer Blätter"

Das erste Heft der Meggendorfer Blätter (1.1888- 57.1944) erschien Ende 1888 unter dem Titel Humoristischer Hausschatz. Aus Lothar Meggendorfers lustiger Bildermappe (München: Schreiber).[402] Der Verleger legte nicht nur großen Wert auf eine farbige Bebilderung seines neuen Witzblattes, er achtete auch auf eine gehobene künstlerische Bildgestaltung. Insofern stellten die Humoristischen Blätter um 1890 etwas Besonderes dar. Der erste Jahrgang hatte (noch) den Charakter eines Familienblattes, erotische Anspielungen und drastische Szenerien, wie sie für Witzblätter nun üblich wurden, blieben ausgespart. Illustrationen (von Witzen, kleineren Erzähltexten und Gedichten), Karikaturen und Bildergeschichten spiegelten vor allem das Repertoire des als Bilderbuchillustrator etablierten Herausgebers. Von zentraler Bedeutung für den Charakter der Blätter war die Bildergeschichte: Meggendorfer gehörte - mit Wilhelm Busch - zu den ersten, "die diese Bildform spezialisierten und zu dem Erfolg brachten, den sie heute im 'comic-strip' und teilweise auch in der 'hohen Kunst' einnimmt."[403] Mit dem Engagement weiterer Künstler wurde das Repertoire bereichert: Josef Mukarovsky (1851-1921) steuerte (später) vor allem erotische Szenen bei, Otto Bromberger (1862-1943) lieferte zahlreiche humoristische Tierzeichnungen. Entscheidend für die künftige Prägung der Blätter waren jedoch die karikaturistischen Beiträge von Victor Schramm (1865-1929). Der Erfolg der Zeitschrift war so groß, daß sie seit 1890 monatlich und seit 1891 wöchentlich unter dem Namen Lothar Meggendorfers Humoristische Blätter erschien, ab 1895 wurde auf die Mehrfarbigkeit im Titel hingewiesen: Meggendorfers Humoristische Blätter hießen künftig "Farbig illustrierte Wochenschrift". Seit der Jahrhundertwende trieb der Verlag die Modernisierung der Blätter voran, immer neue Künstler wurden engagiert und eine durchgängig farbige Gestaltung angestrebt. Meggendorfer wollte die Veränderungen nicht akzeptieren und schied 1905 aus dem Verlag aus. Fortan zeichnete Karl Pommerhanz (1857-1940) die Bildergeschichten, maßgeblich für die Gestaltung der Zeitschrift waren darüber hinaus u.a. Josef Mauder (1884-1969) und Josef v. Loukota (1879-?). Entscheidend für den weiteren Erfolg war die Konzeption eines aktuellen Teils, der die Tagesereignisse vom humoristischen Standpunkt aus beleuchtete.

 

[ 402 ]
vgl. erschöpfend Herbst, Geschichte und Konzept der Meggendorfer Blätter.

[ 403 ]
ebd., S. 40

 
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