Seite 63 «««

Seite 64

»»» Seite 65

7. Romanzeitschriften

Die Nachfrage nach Fortsetzungsromanen in Zeitschriftenform war im 19. Jahrhundert insgesamt sehr groß. Romane wurden von Hausfrauen-, Versicherungs-, Mode-, Jugend- und sonstigen Zeitschriften in vielfältiger Form geboten. Doch neben Romanen als Lesestoff für diverse Familien- und Unterhaltungszeitschriften oder als Fortsetzungen in der Tagespresse hat es etwa seit den 1860er Jahren auch reine sog. Romanzeitschriften gegeben. Das waren Zeitschriften, die, neben einem - später auch mehreren - Romanen in Fortsetzungen, verschiedene kleine Prosatexte, ein kleines Feuilleton und wenige bzw. gar keine Illustrationen enthielten. Damit unterschieden sie sich einerseits von anderen Unterhaltungszeitschriften (durch ihren klareren Schwerpunkt) und andererseits von Kolportageromanen (durch ihre unbegrenzte Laufzeit). Einigen war der Zeitschriftencharakter erst auf den zweiten Blick anzusehen: Während Jankes Roman-Zeitung (seit 1864) über ein traditionelles Zeitschriftenformat verfügte, nahm man die monatlich erscheinenden kleinformatigen (klein-oktav) und gebundenen Lieferungen der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens (seit 1876) von H. Schönlein zunächst als Buch wahr. Beide Zeitschriftentypen fanden in Variationen zahlreiche Nachahmer. Wenngleich Romanzeitschriften und Kolportageromane in den 1890er Jahren nur rund 16% des gesamten Kolportage- bzw. Zeitschriftenbuchhandels ausmachten und die Bedeutung der Gattungen in den Folgejahren immer weiter sank, bis ihr Anteil am Zeitschriftenhandel 1914 nur noch bei knapp 5 % lag [456], gab es doch einige nennenswerte Romanzeitschriften, die erfolgreich waren.
Die Entwicklung der Romanzeitschriften durchlief zwei Phasen: die erste war vom Erfolg Jankes mit seiner seit 1864 erscheinenden Deutschen Roman-Zeitung bestimmt, die zweite von der um die Jahrhundertwende einsetzenden Ausweitung des Marktes mit der Etablierung zahlreicher neuer Romanperiodika. Wie viele um 1900 neu gegründet wurden und danach weiter bestanden, ist aufgrund der allgemein vernachlässigten Forschung zum Zeitschriftenwesen zwischen 1900 und 1918 nicht zu sagen. Es scheint aber, als hätte der alteingesessene Kolportageverlag R. H. Dietrich in Dresden mit Zeitschriften wie Freya. Illustrierte Wochenschrift für neue litterarische Erscheinungen (1.1901-23.1923?), in der von 1907 bis 1912 allein sechs Romane von Hedwig Courths-Mahler erschienen, und Heimat und Fremde. Illustriertes Familienblatt (1.1909-2.1910) in diesem Bereich eine gewisse Vorreiterrolle gespielt.

 

[ 456 ]
Niewöhner, Der deutsche Zeitschriften-Buchhandel, S. 55. Für 1932 wurde er auf ca. 7% geschätzt.

 
Seite 63 «««

Seite 64

»»» Seite 65
zum Seitenanfang