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7. Romanzeitschriften

Verschiedene

Auch andere Konkurrenten hatten, zunächst mit begrenztem Erfolg, versucht, die Preise zu unterbieten und den Einzelbezug zu etablieren. Die Zeitschrift Illustrirte Romane aller Nationen. Unterhaltungsblätter für Jedermann (Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1.1881-13.1893) erschien zunächst wöchentlich, seit dem sechsten Jahrgang vierzehntäglich zum günstigen Jahrespreis von fünf Mark. Dagegen kostete Die Romanwelt. Zeitschrift für die erzählende Literatur aller Völker (Stuttgart: Cotta 1.1894-8.1900; ab 2. Jg. Stuttgart: Cottas Nachf., ab 3. Jg. Charlottenburg: Verlag der Romanwelt, später Berlin: Vita), herausgegeben von Otto Neumann-Höfer und Felix Heinemann, pro Jahrgang sogar 15 Mark, das Einzelheft 30 Pfg. Der erste Jahrgang dieser zunächst aufwendig gestalteten Zeitschrift enthielt neben Erzählungen von P. Bourget, B. Harte, F. Dostojewski und R. Kipling auch Beiträge von M. v. Ebner-Eschenbach sowie die neuesten Romane von H. Sudermann und F. Spielhagen. Auch später wurden neben Kipling, Mary H. Ward u.a. immer wieder Autoren wie M. Kretzer oder H. Böhlau abgedruckt, was die 'moderne' Profilierung verdeutlicht, vor allem gegenüber der traditionellen Deutschen Roman-Zeitung, die mittlerweile von dem Schundkämpfer Otto von Leixner geleitet wurde und damit "zuletzt in immer schärferen Gegensatz zur 'modernen' Literatur"[475] geriet. Die Romanwelt ging auf in Aus fremden Zungen. Zeitschrift für moderne Erzählungslitteratur des Auslandes (Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt, später: Berlin: Ledermann 1.1891-20.1910), die jährlich 12 Mark und im Einzelheft 50 Pfg. kostete und "eine Auswahl der besten neueren Schöpfungen der ausländischen Erzählungsliteratur" für "wohlhabende[] und kaufkräftige[] Kreise[]"[476] bot. Weniger erfolgreich war die Monatsschrift Kurze Geschichten (Berlin: Verlag der Romanwelt 1897-1901?), deren Jahresabonnement 7,20 Mark betrug.

      Die Entwicklung der neueren Romanzeitschriften war, wie die Abonnentenversicherung und die Hausfrauenzeitschrift, zunächst eine Reaktion der Verleger auf die regelmäßig auftauchenden Absatzschwankungen bei den herkömmlichen Zeitschriften und den Kolportageromanen mit durchschnittlich 100 Lieferungen. "Zog solch eine Volksroman, dann gab es stark besetzte Touren, und die Boten brachten viel Kasse nach Hause. Ging es zu Ende mit der Lieferung, dann wurden die Touren dünn, und wenn nicht inzwischen ein neuer Schlager erschienen war, dann war es mißlich mit dem Liefern bestellt."[477] Auch die älteren Zeitschriften wie Gartenlaube, Illustrirte Welt, Das Buch für Alle und später Die moderne Kunst und Zur guten Stunde u.a. "konnte[n] die Touren nicht auffüllen und gleichmäßig besetzt halten."[478] Zu einem Wendepunkt kam es um die Jahrhundertwende ("etwa in den Jahren 1901 bis 1903"[479]), als zur Verhinderung des "hohen Absprung[s]"[480] bzw. zur Stabilisierung des Abonnentenstammes neue Methoden zur Käuferbindung entwickelt wurden. Viele Verleger gingen dazu über, mehrere Romane in einer Zeitschrift anzubieten, die über die üblichen Abonnementsgrenzen (Quartal, Jahr) hinausliefen. Andere versuchten, Romane in Form von Zeitschriften zu besonders niedrigen Preisen herauszubringen. Ein Blatt z.B. "begann mit 12 Pfennig pro Heft zu erscheinen und ging erst im zweiten Jahre auf 15 Pfennig in die Höhe. Ein Zeichen, welche Bedenken und Besorgnisse bei der Entstehung dieses Unternehmens vorhanden waren und wie man befürchtete, daß der Abonnent es ablehnen würde, über den [bei Kolportageromanen üblichen Lieferungs-] Preis von 10 Pfennig hinauszugehen. [...] Es kamen mehrere derartige Blätter heraus, und der Beruf [des Zeitschriftenhändlers] erhielt ein etwas dauerndes Gepräge."[481] Frühe Beispiele hierfür sind der 14. Jahrgang der Illustrierten Romane aller Nationen, dessen Einzelhefte unter dem geänderten Titel Aus Heimat und Fremde (1894) zum Preis von 12 Pfennig angeboten wurden, mit der Devise, "dem Schlechten auf dem Gebiete des Kolportage-Romans ein Gegengewicht zu sein"[482]; diese Umstellung gelang jedoch nicht und die Zeitschrift wurde eingestellt. Auch Planitz' Romanbibliothek (München: Nissler 1893), eine Wochenschrift, die vierteljährlich nur eine Mark kostete, Die illustrierte Romanwelt (Leipzig: E.Wiest Nachf. 1896), deren Einzelheft 10 Pfg. kostete und Kleine Romane. Unterhaltungsblatt für Stadt und Land (Berlin: Dreyer 1.1903/04), Heftpreis ebenfalls 10 Pfg., hatten keinen Erfolg. Den Versuch einer Zwischenform zwischen Kolportageroman und Romanzeitschrift machte 1892-1895 der Verlag Schirmer in Berlin: die Romanbibliothek zum 'Blatt der Hausfrau' gab sich als Ergänzung zum genannten Mutterblatt und brachte in einer 1. Serie 75 Hefte und als 2. Serie 50 Hefte zum Preis von je 10 Pfg.; später wurde sie als Beilage dem Hauptblatt direkt hinzugefügt. Das Schicksal solcher Titel macht - wie es 1913 in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Roman-Zeitung heißt - den "in dem letzten Jahrzehnt eingetretenen fieberhaften Wettbewerb[] auf dem Gebiete des Zeitschriftenwesens" deutlich.

      Zu den erfolgreichsten neueren Romanzeitschriften gehörte mit einer Auflage von 38.000 (1914) auch die sozialdemokratische Wochenschrift In freien Stunden (Berlin: Vorwärts 1.1897-23.1918/19); zum Heftpreis von 10 Pfg. bot sie "Romane und Erzählungen für das arbeitende Volk", und zwar programmatisch vorwiegend ältere, deren Rechte freigeworden waren und nicht mehr bezahlt werden mußten. Dort erschienen, teils Jahrzehnte nach dem Erstdruck, Romane und Erzählungen u.a von F. Gerstäcker (8.1904, 10.1906), J. Verne (9.1905), O. Ruppius (9.1905), V. Hugo (11.1907), J. Scherr (ebd.), S. Lagerlöf (ebd.)., was dem sozialdemokratischen Blatt immer wieder hohes Lob der bürgerlichen Kritik ob seiner Qualität eintrug. Inwieweit im Bereich der Romazeitschriften Blätter Geltung haben wie Feierstunden. Illustriertes Unterhaltungsblatt für Jedermann (Berlin: Meyer 1.1893-40.1931), Der Romanleser (Prag 1898-1904?), Roman- und Novellenschatz. Eine Auswahl der besten Romane und Novellen aller Nationen (München: Abt 1898; erschien in 26 Bänden zu je 50 Pfg.), Nach Feierabend. Illustriertes Familienblatt (Leipzig 1.1899-46.1944), Rheinische Roman- und Novellen-Zeitung (Wiesbaden: Joerg 1900ff), Vobachs Illustrierte Romanbibliothek (Leipzig: Vobach & Co 1902; konnte sowohl wöchentlich als auch monatlich bezogen werden, Vierteljahrespreis 3 M) oder Der Erzähler (Wien: Bergmann 1902-1923?), wäre zu prüfen. Im Verlag Oskar Meister in Werdau in Sachsen, der auch als Literarische Agentur für Zeitungsromane tätig war und Feuilleton-Korrespondenzen herausgab, erschien seit 1909 (bis 1914?) für wöchentlich 10 Pfg. der Buch-Roman (Auflage: etwa 7000): "Wird sehr viel in Beamtenkreisen gelesen und von der Frauenwelt bevorzugt."[483] Ebenfalls 10 Pfg. kostete ein Wochenheft der Neuen Roman-Woche (Berlin: Oestergaard 1.1914-1915?).
      Auch nach dem Ersten Weltkrieg existierten zahlreiche Romanzeitschriften. Ein Konzept, mit dem der Verlag der Romanwelt und sein Jahrbuch Kurze Geschichten (Berlin 1897) gescheitert war, versuchte Der Kleine Roman (Berlin: Hermann & Co. 1920) zu variieren: Die Zeitschrift kam wöchentlich zum Preis von 50 Pfg. (1920) heraus, brachte jedoch stets ein abgeschlossenes Werk "von führenden Künstlern illustriert" und bezeichnete sich selbst als "[f]ür den Straßenhandel unentbehrlich"[484]; obwohl (oder weil?) dort z.B. Erzählungen von H. Mann ("Schauspielerin"), B. Frank ("Ein Abenteuer in Venedig") oder N. Jacques ("Kreise") erschienen, wurde die Zeitschrift nach 52 Nummern eingestellt. Andere Titel lauteten Romanzeitung (Monschau b. Aachen: Weiß 1921ff.), Der Neue Roman (Reichenberg/Böhmen: Stiepel 1922ff.), Dresdner Roman (Dresden: Wagner & Humann 1922f.; Auflage 1923: 10.000), Neue Romanzeitung (Leitmeritz/Böhmen 1923) oder Das Vaterhaus. Illustrierte Roman-Zeitschrift (Niedersedlitz: Münchmeyer 1.1923-15.1938?), ebenfalls aus einem traditionellen Verlag von Kolportageromanen. Wichtigster Herausgeber war nun jedoch das Verlagskonglomerat Lange & Meuche in Leipzig, das 1911 als offene Handelsgesellschaft gegründet wurde, um zahlreiche Einzelfirmen, die seit 1902 erworben worden waren, unter einem Dach zu vereinigen. Im Laufe der Zeit kamen u.a. die Firmen Jägersche Verlagshandlung/Leipzig (1902), Georg H. Wigand, Buchhandlung/Leipzig (1904), Maximilian Wendel/Dresden (1906), Ewald & Co. Nachf./Dresden (1909) Friedrich Rothbarth/Leipzig (1909), Fritz Kasper/Dresden (1909), Anton & Co.(1910), Georg Wigand Verlag/Leipzig (1913), Schmidt & Spring (1924), Abel und Müller/Leipzig (1928/29), Otto Janke/Berlin (1928/29) hinzu. "Für den Zeitschriftenhandel von größter Wichtigkeit sind die Romanzeitschriften des Verlages, die von der Firma Ewald & Co. Nachf. herausgegeben wurden"[485]: die Illustrierte Roman-Welt (Leipzig: Ewald 1.1928-6.1933) ging auf in Im traulichen Heim (Leipzig: Ewald Nachf. 1.1925/26-16.1940/41); aus dem gleichen Verlag stammten Für Herz und Heim. Illustriertes Familienblatt (1.1930-20.1940?), Nehmt mich hin. Die illustrierte Roman-Zeitung (Leipzig: Ewald 1.1930-3.1932?.), Freude ins Haus. Die neue Roman-Zeitung (Leipzig: Ewald 1.1932-2.1933), die aufging in Ich bin dein. Illustrierte Roman-Zeitschrift (Leipzig: Vobach 1.1929-5.1933?) sowie Schwälbchen. Andere Romanzeitschriften hießen Das Familienheim. Illustrierte Romanzeitung (Berlin: Verlag moderner Lektüre 1.1926-10.1935, anfangs: Mein Familienheim, später: Familienheim und Abend-Roman. Das illustrierte Unterhaltungsblatt für Alle (Mainz: Schöffer 1. 1929).

 

[ 475 ]
Festschrift. S. 25

[ 476 ]
Sperling 44. Jg. (1908)

[ 477 ]
Klein, Die Entwicklung des Buch- und Zeitschriftenhandels im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, S. 272

[ 478 ]
Klein, Die Entwicklung des Buch- und Zeitschriftenhandels im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, S. 272

[ 479 ]
Klein, Die Entwicklung des Buch- und Zeitschriftenhandels im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, S. 270

[ 480 ]
Klein, Die Entwicklung des Buch- und Zeitschriftenhandels im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, S. 274

[ 481 ]
Klein, Die Entwicklung des Buch- und Zeitschriftenhandels im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, S. 272

[ 482 ]
Sperling 35. Jg. (1894)

[ 483 ]
Sperling 48. Jg. (1914)

[ 484 ]
Anzeige in: Der Straßenhändler, 10. Jg. (1920) Nr. 1 (7. Januar)

[ 485 ]
Niewöhner, Der deutsche Zeitschriftenbuchhandel, S. 71

 
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